Berner Zeitung/Espace, 2006-03-06 FUSSBALL-WM - - - Bildli-Sammeln faellt weg - - - von Marina Bolzli - - - Zwei Schweizer Illustratoren haben sich einen Traum erfuellt: Mit "Fussballhelden" gaben Jerzovskaja und Ashi ein Album mit allen Fussball-WM-Teilnehmern heraus. Die Portraets sind von Kuenstlern gezeichnet. Vorbei sind die Zeiten, wo man sich am Kiosk die Fussballstars muehsam erkaufen musste. Vorbei sind die Zeiten, wo man sich die fehlenden Bildli eintauschen musste, weil es doch fast ein Ding der Unmoeglichkeit war, eine ganze Serie Panini-Bilder zusammenzukriegen. Auch fuer Verschmaeher Jetzt gibt es "Fussballhelden". Das Buch. Gruen wie ein gepflegter Fussballrasen. Leuchtend, grossformatig, 160 Seiten, komplett mit allen teilnehmenden Mannschaften der Weltmeisterschaft in Deutschland. Und das Beste: Sogar wer sich bisher als neutraler Fussballbeobachter bezeichnete, als Verschmaeher der Bildlikultur, wird seine Freude daran entdecken. Garantiert. Mal ernst, mal lustig 50 Illustratoren aus 17 Laendern haben ihre Fantasie walten lassen und die Teams ganz individuell gezeichnet. So sieht zum Beispiel der Kuenstler Duudle.dk die Nationalspieler von Togo, notabene Gegner der Schweiz in den Gruppenspielen, als eindrueckliche, breithalsige Spieler. Dies wohl eher aus Gruenden der Zaehigkeit im Spiel als aus aesthetischen ueberlegungen. Frankreich, gezeichnet von Patrick Graf, kommt mit ernsten Gesichtern daher. Alle Spieler blicken nach rechts. Als ob die Fussballer sagen moechten: Kann uns wohl unser geografischer Nachbar Schweiz gefaehrlich werden? Die Suedkoreaner hingegen sind von Tado farbig und abstrakt gezeichnet. Die Zuordnung zu den realen Gesichtern im Fernsehen ist da nur noch mittels der Nummern und viel Fantasie moeglich. Die Idee zum Buch stammt von den Schweizer Grafikern Kai Jerzoe alias Jerzovskaja und Achilles Greminger alias Ashi. Von Fussball besessen seien sie, sagen die beiden. Allerdings waren die Sammelalben an den Kiosken immer zu teuer fuer Jerzovskajaâ so fing er als Kind an, seine Fussballidole selbst zu zeichnen. 1998 veroeffentlichte er das Buch "22 Fussballhelden". Dabei entstand die Idee, ein komplettes Album zu machen. Ein Weltprojekt Weltweit wurden Illustratoren angefragt, und das Projekt stiess auf Begeisterung. Schliesslich, sagt der 34-jaehrige Jerzovskaja, spiele jeder irgendwann mal Fussball. "Fussballspiele sind sehr einfach. Jeder versteht die Regeln, und manche verstehen sogar die Offside- Regel." Trotzdem haetten auch Leute mitgemacht, die sich normalerweise ueberhaupt nicht fuer den Sport interessieren. So entstanden ueber 700 Portraets. Die inoffizielle Weltmeisterschaft der Illustratoren. Und auch Nostalgiker kommen auf ihre Rechnung: Nicht nur die aktuellen Mannschaften finden sich im Buch wieder, auch Spitzenteams wie Argentinien 1986 mit Diego Maradona, Frankreich 1982 mit einem nur knapp ins Bild schauenden Alain Giresse oder Deutschland 1974 mit Franz Beckenbauer haben Eingang gefunden. Aber nicht ganz billig Waere die Vorfreude auf die kommende Weltmeisterschaften noch nicht aufgekommen, koennte man spaetestens jetzt in helle Begeisterung ausbrechen. Einziger Wermutstropfen: Billiger als die Panini- Variante ist die "Fussballhelden"-Variante nicht. Fr. 59.90 kostet der Spass. Und ist dabei immer noch ein nicht Gewinn bringendes Projekt, denn die Beitraege wurden alle unentgeltlich eingereicht. Dafuer ist das Buch auch etwas fuer neutrale Fussballbeobachter und Bildliverschmaeher. - - - Buch: "Fussballhelden", Herzglut Verlag. www.fussballhelden.com.